|
Am
30. Januar 2007 kam Microsofts neuste Betriebssystem-Segnung in
die Läden: Windows Vista. Nachdem schon ab November die
Geschäftskunden in den Genuss von Vista kamen, sollte der
geneigte Computer-Nutzer davon ausgehen können, dass Ende Januar
Treiber und Software mehr oder weniger stabil laufen. Doch weit
gefehlt: Von der Grafikkarte bis zum Bildanzeige-Programm gab
und gibt es diverse Hard- und Software, die Zicken macht. Doch
das hält mich als bekennender Computer-Masochist natürlich nicht
davon ab, mein stabiles XP-System zu formatieren und stattdessen
Vista auf meine Maschine zu installieren.
Update Dezember 2007: Da meine alte Pentium 4 Single-Core
Mühle trotz Übertaktung immer öfter an ihre Grenzen stieß, habe
ich mich entschlossen, ein komplett neues, handverlesenes System
aufzusetzen (Details gibt's
hier). Und was
soll ich sagen? Da lief die Vista-Installation samt
Hardware-Erkennung völlig problemlos.
Folgende Schilderung hat natürlich immer noch Gültigkeit.
Sie bezieht sich auf diese Konfiguration: Asus P4P 800-E Deluxe
Mainboard; Pentium 4 2,8 Ghz @ 3,2; 2x1 GB RAM; HIS Radeon 1650
Pro AGP; 300 GB Samsung S-ATA Platte mit 40 GB Systempartition;
Creative Audigy Soundkarte.
Und damit ihr an meinen Qualen - und kleinen
Erfolgen - teilhaben könnt, gibt es an dieser Stelle ab sofort
mein ultimatives Windows-Vista Tagebuch.
Tag 1: Ich lade mir von der
Microsoft Homepage den Windows Vista Upgrade Advisor (Klick) herunter.
Nach der Installation und ein wenig Gerödel sagt mir das
Programm, dass einem erfolgreichen Update nichts im Weg steht.
Nur einige Programme (unter anderem mein Brennprogramm und der
Virenscanner) sollen nicht mehr funktionieren. Schnell checke
ich die Webseiten der Hersteller und stelle fest, dass dort
bereits Updates bereitstehen. Mit wohligen Gedanken an ein
problemloses Update gehe ich schlafen.
Tag 2: Ich besuche den
"Elektronik-Discounter" meines Vertrauens und erwerbe dort von
einem leicht irritierten aber sehr zuvorkommenden Angestellten
eine System Builder Version von Vista Home Premium. Die gibt's
auch ohne neuen PC und hat gegenüber der regulären Update-Box
eigentlich nur Vorteile. Unter anderem ist sie rund 70 Euro
billiger und ermöglicht wahlweise ein Update oder eine komplette
Neuinstallation. Glücklich fahre ich nach Hause und beschließe,
die Installation am nächsten Tag zu beginnen.
Tag 3: Ab heute habe ich Urlaub!
Optimale Voraussetzungen, um Vista zu installieren. Ich melde
mich bei meiner Freundin für die nächsten Tage ab und beginne
mit der Installation aus meinem laufenden Windows XP heraus. Es
ist früher Nachmittag.
Tag 3, Nachtrag 1: Seit
rund einer Stunde kopiert und entpackt Vista fleißig Dateien und
startet den Rechner neu. Doch jetzt hängt irgendwas. Das Setup
hat den Rechner außerplanmäßig neu gestartet und rödelt nun
weiter. Zehn Minuten später finde ich mich in meiner
altbekannten XP-Umgebung wieder. Ein kleines Fenster weist mich
freundlich darauf hin, dass der Update-Vorgang gescheitert ist
und das alte System wieder hergestellt wurde. Draußen dämmert
es.
Tag 3, Nachtrag 2: Auch das
Entfernen sämtlicher USB-Geräte hilft nichts. Vista verweigert
hartnäckig die Installation und stürzt reproduzierbar ab.
Wenigstens wird XP immer wieder problemlos hergestellt. Es ist
jetzt vier Uhr Nachts und ich beschließe leicht genervt, es für
heute aufzugeben.
Tag 4: Schöner kann Urlaub nicht
sein! Vista weigert sich immer noch standhaft, seine
Installation abzuschließen. Dabei habe ich es jetzt schon auf
einer komplett leeren Festplatte versucht. Irgendeine
Gehirnzelle sagt mir, dass ich mal die Grafikkarte wechseln
sollte. Gut, dass ich noch ein älteres Modell in der Schublade
liegen habe. Also unter den Schreibtisch gekrabbelt,
Rechnergehäuse auf, neue Grafikkarte ausgeschraubt, die drei
Jahre alte Karte eingebaut – und schon läuft die Installation
friedlich bis zum Schluss. Jetzt hab ich nur noch ein Problem...
Was mache ich mit der neuen Grafikkarte? Egal. Für heute mache
ich Schluss und beschließe, "Deutschland sucht den Superstar" zu
schauen – genau das Richtige, um das Gehirn mal für ein paar
Stunden abzuschalten.
Tag 5: Das gestrige Abschalten hat
sich bezahlt gemacht, denn eine weitere meiner Gehirnzellen
meldet sich und hat die Idee, die neue Grafikkarte wieder zu
installieren. Diesmal starte ich im „abgesicherten Modus“, bei
dem nur die nötigsten Teile des Systems geladen werden, und der
Rechner fährt fehlerfrei hoch. Nach mehreren
Treiber-Installationen, Abstürzen und Wutausbrüchen startet
Vista nun auch regulär mit der neuen Grafikkarte. So kann ich
endlich die schicke neue Windows-Oberfläche „Aero“ genießen.
Tag 5, Nachtrag 1: Uii, wie
hübsch das alles aussieht! Die Fenster sind fein transparent,
Animationen hier, Animationen da und das alles sogar in
akzeptabler Geschwindigkeit. Aber erstmal muss ich die
wichtigsten Programme wieder installieren. Nero 7 läuft, NOD32
läuft, Office läuft, Corel auch - aber AcdSee Pro nicht. Und was
muss ich auf deren Homepage lesen: Updates für Vista sind
geplant, aber wann weiß keiner. Naja, es gibt ja die tolle neue
Windows Fotogalerie. Aber die teste ich morgen. Draußen ist es
schon wieder dunkel und ich habe Hunger!
Tag 6: Meine Fotos sind alle gelb!
Zumindest in der Fotogalerie. Nach mehrstündigem Rumprobieren
finde ich raus, dass es am neuen Windows-Farbmanagement liegt.
Das soll eigentlich dafür sorgen, dass Bilder auf dem Bildschirm
genauso aussehen wie auf dem Drucker. Aber mein Drucker druckt
gar nicht so gelb... Nach einer weiteren mehrstündigen, aber
diesmal ergebnislosen Internet-Suche lösche ich das Farbprofil für meinen Monitor
komplett, und schon erstrahlen die Fotos wieder in altem Glanz. Witzig ist
übrigens, dass alle anderen Anwendungen auch mit aktivem
Farbprofil die korrekten Farben gezeigt haben...
Tag 7: Uii, wie schnell das
hier alles ist! Ich habs ja nicht für möglich gehalten, aber
dieses "Ready Boost", das USB-Sticks als Zwischenspeicher für
das Laden von Daten und Programmen nutzt, bringt richtig was.
Nur dummerweise schaltet sich die Funktion immer mal wieder aus.
Der Zugriff auf verschiedene USB-Sticks läuft zum Teil mehr als
holprig, kopieren dauert teilweise mehr als dreimal so lange wie
unter XP. Da helfen auch die neusten Intel Chipsatztreiber nicht
weiter. Das Internet und ich sind ratlos.
Tag 8: Nachdem
das System jetzt so halbwegs rund läuft, beschließe ich, ein
Spiel zu testen. Half Life 2 lässt sich auch problemlos
installieren und starten. Allerdings gibt es ein Problem: Ich
habe keinen Ton. Ein Blick in den Gerätemanager schafft
Klarheit: Meine Soundblaster Audigy hat noch keinen Treiber.
Also flugs die Vista-Beta(!)-Treiber von Creative runtergeladen.
Nach der Installation sind meine Boxen zwar immer noch stumm,
aber dafür tönt mein Kopfhörer. Eine weitere mehrstündige und
äußerst kurzweilige Internet-Recherche ergibt, dass Creative
unfähig st, funktionierende Vista-Treiber für die Audigy zu
programmieren. Und so bleibt der digitale Ausgang, an dem die
Surround-Anlage hängt, stumm. Im Stillen kommen mir langsam
Zweifel, ob die Vista-Installation eine gute Idee war. Ich entschließe mich genervt zu
einer pragmatischen Lösung: Audigy raus, Realtek-Onboard-Sound
an, und schön tönt auch meine Anlage wieder digital. Doch für
heute habe ich genug. Leider sind die „Superstars“ schon vorbei,
denn wie ich entsetzt feststelle, ist es schon wieder kurz nach
4 Uhr morgens.
Tag 9: Ich rufe meine Freundin an und
sage ihr, dass ich noch lebe. Doch Zeit habe ich leider keine,
denn mein Computer entschließt sich spontan, nicht mehr zu
starten. Direkt nach dem Vista-Anmeldebildschirm folgt ein
schnöder Absturz. Eine Datei namens „amon.sys“ ist der
Übeltäter, das sagt zumindest der blaue Bildschirm, den Vista
noch ausgibt, bevor es sich Sekundenbruchteile später
verabschiedet. Glücklicherweise funktioniert auch hier der
abgesicherte Modus noch. Kaum gestartet, hat Vista auch schon
gemerkt, dass es irgendwie abgestürzt ist, und bietet eine
Internet-Problemlösungssuche an. Nach 20 Sekunden ein
Lösungsvorschlag: Der Grafikkarten-Treiber ist schuld. Aha. Das
hätte mir das Ding mal vor ein paar Tagen sagen sollen. Jetzt
beschließe ich hingegen, das Antivirenprogramm zu
deinstallieren. Denn das hat eine Komponente, die Amon heißt.
Und siehe da: Der Rechner fährt normal hoch. Nach einer
Neuinstallation desselben (!) Virenscanners klappt wieder alles
wie es sich gehört... Da soll einer draus schlau werden.
|